Geografie.

Der größere Teil des preußischen Staates gehört dem Norddeutschen Flachland an. Von den Küstenprovinzen reicht nur Hannover in das deutsche Bergland (Harz) hinein; die anderen, Schleswig-Holstein, Pommern, West- und Ostpreußen sowie die beiden Binnenprovinzen Brandenburg und Posen, liegen ganz innerhalb des Norddeutschen Flachlandes, während Schlesien und Sachsen zum kleinern, Westfalen und die Rheinprovinz zum größern Teil und Hessen-Nassau ganz dem Bergland angehören.

Auf das Tiefland kommen vom Staatsgebiet etwa 268.000 qkm (4867 Quadratmeilen), auf das Bergland 80.300 qkm (fast 1459 Quadratmeilen). Das Bergland geht zwischen Minden und Hannover mit dem Bückeberg und Deister am weitesten gegen Norden vor. Von hier aus tritt es gegen Osten mit der Linie Quedlinburg-Görlitz-Tarnowitz nach Süden. zurück, während es auf der Westseite der Weser zwischen dem Flachland und den Flachlandsbusen an der oberen Ems und Lippe und bei Köln und Bonn halbinselartig vorgeht, einmal bis Osnabrück, das andre Mal bis zum Steinkohlengebirge an der Ruhr.

Das Bergland, soweit es innerhalb des preußischen Staates liegt, besteht, abgesehen von der Rauhen Albin Hohenzollern, aus folgenden Hauptgruppen: dem Rheinischen Schiefergebirge im Westen, dem Hessischen Berg- und Hügelland, dem Harz und Thüringer Wald in der Mitte, dem Subherzynischen Hügelland im Norden und den Sudeten im Südosten.

Das Rheinische Schiefergebirge bildet in fast allen seinen Teilen ein Plateau ohne bedeutende Höhenzüge, das aber von tiefen Flußtälern vielfach zerrissen ist. Die einzelnen Teile des Schiefergebirges sind:
1) der Hunsrück zwischen Rhein, Nahe, Saar und Mosel, eine 400–500 m hohe Platte, auf der sich einige Bergzüge befinden (Hochwald 816 m);
2) die Eifel auf der Nordseite der Mosel, ein Hochland ohne Bergrücken, wenn man von der rauhen Schneifel (Schneeeifel) absieht, mit der fruchtbaren Ebene des Maifeldes an der Nette, der Hohen Acht (760 m) und dem schönen Ahrtal;
3) das Hohe Venn südlich von Aachen, mit großen Torfmooren, bei dem Signal Botrange 695 m hoch;
4) der Taunus zwischen Rhein, Main und Lahn, wie die folgenden auf der Ostseite des Rheins, in seinem westlichen Teile das Rheingaugebirge genannt (woselbst der Niederwald über Rüdesheim), in seinem östlichen mehr als Gebirgsrücken ausgeprägt (Großer Feldberg 880 m), mit zahlreichen Mineralquellen und den schönsten Weinlagen des Deutschen Reiches an seinem südlichen Fuß;
5) der Westerwald, ein Plateau zwischen Rhein, Lahn und Sieg, mit dem Fuchskauten (657 m) und dem merkwürdigen Siebengebirge als Vorposten des Berglandes bei Königswinter am Rhein;
6) das Sauerländische Gebirge an der Lenne und Ruhr, das den größten Teil des westfälischen Regierungsbezirks Arnsberg erfüllt, mit vielen Verzweigungen: dem Quellgebiet der Sieg, Lahn und Eder, einer 600–700 m hohen Platte, die nach allen Seiten zwischen den Flüssen sich abdacht und vom Härdler (696 m) an sich in dem Rothaar- oder Rotlagergebirge bis zum Plateau von Winterberg an der Quelle der Lenne (Kahler Astenberg 827 m) und Ruhr fortsetzt;
7) die Haar (380 m) bildet mit dem Ruhrkohlengebirge das nördlichste Glied des Schiefergebirges und fällt allmählich gegen das nördliche Tiefland ab.

Jenseit der Hessischen Senke, die in der Wetterau beginnt und sich in nördlicher Richtung bis zur mittlern Weser bei Höxter zieht, dehnt sich das Hessische Berg- und Hügelland aus, dem das Hessische Waldgebirge mit dem Knüllgebirge (632 m), dem Seulingswald (474 m), dem Meißner (749 m), dem Kaufunger Wald (640 m), dem Habichtswald (595 m), dem Reinhardswald (468 m) und dem Solling (51 dm), ferner die Hohe Rhön (Wasserkuppe 950, Milseburg 833 m) angehören. Durch die Göttinger Senke wird das Hessische Waldgebirge vom Thüringer Becken getrennt, dessen westlichsten Teil das Obere Eichsfeld bildet. Auf der sich zwischen Thüringer Wald und Harz erhebenden Muschelkalkplatte ragen mehrere Höhenzüge hervor, die nach O. zu an Höhe abnehmen (im Norden Dün, Ohmgebirge, im Süden Hainich, im Osten Finne u. a.). Vom Thüringer Wald gehört nur der Südabfall des nordwestlichen Teiles Preußens an, während dies den ganzen Oberharz (Brocken 1142 m) und einen großen Teil des Unterharzes besitzt.

Nördlich und westlich vom Harz breitet sich zwischen dem Teutoburger Wald (484 m) im W. und Elm und Huywald im Osten das Subherzynische Hügelland aus, das wegen des nordwestlichen Streichens seiner Bergzüge diesen Namen erhalten hat. Im Harzvorland sind die Höhen unbedeutend, im ostfälischen Hügelland schwellen sie schon zu 400 man (Hils, Ith, Deister u. a.). Westlich schließt sich daran das Weserbergland (Säntel, Westfälische Pforte am Durchbruch der Weser, Wiehengebirge).

Das Herzynische oder Sudetensystem enthält in Schlesien auf der Grenze gegen Österreich die höchsten Gebirge des Staates. Das kleine, aber mannigfach verzweigte Glatzer Gebirgssystem, das den Glatzer Kessel (ca. 320 m) einschließt, enthält: an der preußisch-österreichischen Grenze das Glatzer Schneegebirge (Großer Schneeberg 1422 m) auf der Wasserscheide zwischen Oder, Elbe und Donau, das Reichensteiner Gebirge (902 m), beide im O., sodann das Mensegebirge (Hohe Mense 1085 m) im W., endlich innerhalb des preußischen Staatsgebietes das Habelschwerdter Gebirge (962 m), das Eulengebirge (Hohe Eule 1014 m) und das Neuroder Gebirge. In der nordwestlichen Fortsetzung dieses Gebirgssystems erscheinen: das Plateau der Heuscheuer (920 m), das Waldenburger Gebirge (Heidelberg 936 m), durch das Tal des obern Bober vom Riesengebirge geschieden, sodann das Katzbachgebirge (724 m) und unter den einzelnen Bergen der schlesischen Ebene vor allen der Zobten (718 m).

Das Riesengebirge, auf der Grenze von Schlesien und Böhmen, enthält die höchsten Berge des Staates (Schneekoppe 1603, Hohes Rad 1509 m); seine westliche Fortsetzung bildet der Hohe Iserkamm (Hinterberg 1126 m, Tafelfichte 1122 m), von dem in veränderter Richtung das Lausitzer und Erzgebirge außerhalb der Staatsgrenzen zum Fichtelgebirge leiten, während in der ursprünglich nordwestlichen Richtung sich eine nicht hohe Granitplatte bis zur Elbe bei Meißen hinzieht, zu der in Schlesien bei Görlitz die Landeskrone (427 m) und die Königshainer Berge gehören. Innerhalb der Gebirge Schlesiens sind unter den Tälern außer dem Glatzer Kessel das Landeshuter und Hirschberger Tal (300–400 m hoch), beide am Bober, nennenswert.

Das Tiefland ist im W. von der Elbe einförmiger als im O. derselben. Am Gestade der Nordsee und längs der Flüsse gibt es dort vortreffliche Marschländer; sodann treten gewöhnlich Moore auf, die mit Sandflächen abwechseln und mit denselben als Geest zusammengefaßt werden. Von großem Umfang sind die Moore namentlich zu beiden Seiten der Ems bis Westfalen hinauf, ferner zwischen Weser und Elbe im Regbez. Stade, an der Aller, zu beiden Seiten der Weser unterhalb der westfälischen Grenze etc. Große Sandflächen bieten in Hannover die Lüneburger Heide (bis 171 m hoch) zwischen Aller und Ilmenau und der Hümling auf der östlichen Seite der Ems im Kreis Meppen dar. In dem Becken von Münster bildet die Senne weite unfruchtbare Strecken, die teils sandig und wasserarm, teils versumpft sind. Unter den Hügelgruppen dieses Beckens sind die Schöppinger Berge (154 m) und die Stromberger Hügel (190 m), diese auf der Platte von Beckum, die bedeutendsten.

In der Provinz Sachsen bildet die Platte der Altmark (Hellberge bei Zichtau 160 m) die Fortsetzung der Lüneburger Heide. Im Osten der Elbe entwickeln sich im Tiefland zwei Landrücken. Der südliche, der Märkisch-schlesische, zieht sich durch das südliche Brandenburg und das nördliche Schlesien und trägt verschiedene Namen: Fläming (Hagelberg 201 m) im Regbez. Potsdam, Lausitzer Grenzwall (Rückenberg 229 m) im Regbez. Frankfurt, Katzenberge (200 m) in Schlesien zwischen Bober und Oder, Trebnitzer Berge (311 m) zwischen Bartsch und Weida und Oberschlesischer Jura (357 m) im N. von der Malapane; der letztere schließt sich in Polen an die Ausläufer der Karpathen an. Der nördliche, der Norddeutsche Landrücken oder die Baltische Seenplatte, durchstreicht die Provinzen Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen. Er wird von der Oder und Weichsel durchbrochen, ist im allgemeinen sehr breit und wasserreich und trägt die meisten sowie (außer den Hassen) auch die größten Landseen in Preußen und Norddeutschland. Seine bedeutendsten Höhen sind: in Schleswig-Holstein der Bungsberg (168 m), in Pommern der Schimmritzberg im Kreise Bütow (256 m), in Westpreußen der Turmberg (331 m) auf der Platte von Karthaus, endlich in Ostpreußen die Kernsdorfer Höhe (313 m), südlich von Osterode, und die Seesker Höhen (309 m), östlich von den großen Masurischen Seen auf der Ostpreußischen Seenplatte.

Zwischen beiden Landrücken herrscht eine große Abwechselung von Tief- und Hügelland, namentlich in Brandenburg; da sind das Havelländische Luch, das Rhinluch, das Oderbruch, der Spreewald, sodann die Platte von Barnim (157 m), die Rauenschen Berge (152 m) an der Spree etc., in Posen das Obrabruch. Merkwürdig sind die breiten und tiefen Talsenkungen im S. des Norddeutschen Landrückens, die nach der mittleren Elbe hin konvergieren. In dem Bereich der eigentlichen Küstenebene sind nennenswerte Hügellandschaften: die Stubbenkammer auf Rügen (159 m), der Gollenberg bei Köslin (144 m), die Trunzer Berge bei Elbing (198 m), der Stablack mit den Höhen von Wildenhof (Schloßberg 216 m) im Kreis Preußisch-Eylau und der Galtgarben (110 m) im Samland bei Königsberg. Hervorragende Landspitzen an der Ostsee sind Arkona auf Rügen (46 m), Rixhöft (53 m) und Brüsterort (34 m) zu beiden Seiten der Danziger Bucht.

Nutzbare Mineralien
Zunächst sind mehrere Steinkohlenbecken zu nennen: das kohlenreiche Oberschlesische Becken, an mehreren Stellen, inbesondere bei Gleiwitz, aus dem bedeckenden Diluvium aufragend; das Niederschlesische Becken, eine von NW. nach SO. gerichtete, in ihrer Mitte von Rotliegendem und Kreide ausgefüllte Mulde, deren östlicher Flügel bei Waldenburg bergbaulich ausgeschlossen ist; die Steinkohlenablagerungen von Wettin und Löbejün; das Kohlenbecken von Ilfeld und schließlich das vielleicht mit dem Westfälischen Steinkohlengebirge unterirdisch zusammenhängende Steinkohlenbecken von Ibbenbüren. In der Dyasformation, die den Harz und den Thüringer Wald umgürtet und im Kyffhäuser, bei Riechelsdorf in Hessen u. a. O. unter hangenden Schichten emportaucht und auch in Schlesien entwickelt ist, sind von technischer Bedeutung der Kupferschiefer, der im Mansfeldischen Gegenstand eines sehr ausgedehnten Bergbaues ist, ferner Eisenstein, der namentlich in Thüringen verbreitet vorkommt, vor allem aber das Steinsalz, das bei Staßfurt, von wertvollen Kalisalzen und Gips bedeckt, etwa 900 m mächtig ist und sich in ähnlicher und zum Teil noch größerer Mächtigkeit unter dem Diluvium Norddeutschlands über weite Flächenräume verbreitet.

Die Triasformation führt in Oberschlesien bei Tarnowitz Lager von Zinkerzen und Bleiglanz, bei Erfurt auch Gips mit Steinsalz, beides im Muschelkalk, ist aber sonst im allgemeinen arm an nutzbaren Mineralien. Das gleiche gilt von der Juraformation. Die Kreide enthält in ihrer untern am Deister, dem Osterwald und dem Bückeberg brackisch entwickelten Abteilung, der sogen. Wealdenformation, gute bituminöse Kohlen und bei Salzgitter und bei Peine in verschiedenen Niveaus bauwürdige Eisenerze. Auch die Tertiärablagerungen, die die Niederung des Odergebietes von Liegnitz und Breslau bis Neiße und Oppeln erfüllen, die sogen. niederschlesische Bucht bildend, führen ebenso wie das Tertiär der thüringisch-sächsischen Bucht, das zwischen Halle und Wurzen bis weit nach Thüringen in das Gebiet älterer Formationen eindringt und offenbar mit dem großenteils von Diluvium bedeckten norddeutschen Tertiär zusammenhängt, bauwürdige Braunkohlen, die zum Teil miocänes Alter besitzen, also jünger als die Hauptmasse der oligocänen Tertiärschichten sind, zum Teil aber auch, wie gerade zwischen Halle und Leipzig und in der Egelner Mulde, unteroligocän sind. Braunkohlenkomplexe miocänen Alters finden sich aber außer in der Mark Brandenburg und in Pommern auch in dem zum Oberrheinischen Gebirgssystem gerechneten Bergland, so in der Gegend von Kassel (im Habichtswald und am Meißner), in der Rhön, am Vogelsberg und in der Wetterau, an vielen dieser genannten Orte mit marinen und brackischen Ablagerungen miocänen oder auch oberoligocänen Alters verknüpft und in der Regel durchbrochen und überlagert von vulkanischen Gesteinen.