{"id":608,"date":"2022-11-15T09:28:35","date_gmt":"2022-11-15T08:28:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/?page_id=608"},"modified":"2023-01-21T13:35:25","modified_gmt":"2023-01-21T12:35:25","slug":"die-ersten-wettinischen-kurfursten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/landesgeschichte\/15-jahrhundert\/die-ersten-wettinischen-kurfursten\/","title":{"rendered":"1423. Die ersten Wettinischen Kurf\u00fcrsten."},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>1423 bis 1485.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mit der Kurw\u00fcrde traten die Wettiner, fast zugleich mit den brandenburgischen Hohenzollern, in den h\u00f6chsten Adel des Reiches, in das Kollegium der sieben Kurf\u00fcrsten, ein, das nach der Goldnen Bulle von 1356 den Kaiser w\u00e4hlte. Sie gewannen damit auch w\u00e4hrend der Thronvakanz das Reichsvikariat in den L\u00e4ndern s\u00e4chsischen Rechts, also f\u00fcr Norddeutschland, und wenigstens f\u00fcr das kleine Kurland einige Vorbedingungen wirklicher Staatenbildung: die Landeshoheit, die Befreiung vom K\u00f6nigsgericht und die Unteilbarkeit. Wie seitdem das kurs\u00e4chsische Wappen, der schwarzgoldne Balkenschild der Askanier mit der gr\u00fcnen Raute und die gekreuzten roten Marschallsschwerter im schwarz-wei\u00dfen Felde, die \u00e4lteren Wettinischen Farben, den schwarzen mei\u00dfnischen L\u00f6wen im goldnen Schilde und die goldnen Landsberger Pf\u00e4hle im blauen Felde in den Hintergrund dr\u00e4ngten, so verbreitete sich auch der Name Sachsen \u00fcber die th\u00fcringisch-fr\u00e4nkischen Koloniallande im Osten der Saale, deren Bev\u00f6lkerung zwar \u00fcberwiegend nach s\u00e4chsischem Rechte lebte, aber nur zum allerkleinsten Teile s\u00e4chsischen Stammes war. Fortan strebten vom Boden der beiden alten Marken aus Wettiner und Hohenzollern im best\u00e4ndigen Wettkampfe nach der ma\u00dfgebenden Stellung im nord\u00f6stlichen Deutschland, und deshalb vor allem nach dem Besitz der alten wettinischen Nieder-Lausitz, die den Weg von Mitteldeutschland nach Polen \u00f6ffnete, auf der andern Seite nach der Erwerbung des Erzstifts Magdeburg, das den Weg nach den Nordsee beherrschte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2022\/12\/1423-WettinischeKurfuersten-1200px_k.jpg\" alt=\"Stammburg der Wettiner.\" class=\"wp-image-835\" srcset=\"https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2022\/12\/1423-WettinischeKurfuersten-1200px_k.jpg 1200w, https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2022\/12\/1423-WettinischeKurfuersten-1200px_k-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2022\/12\/1423-WettinischeKurfuersten-1200px_k-1024x580.jpg 1024w, https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2022\/12\/1423-WettinischeKurfuersten-1200px_k-768x435.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Stammburg der Wettiner.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Kampfe mit den b\u00f6hmischen Hussiten bildete Kursachsen die Vormauer des Deutschtums gegen S\u00fcden, wie gleichzeitig Brandenburg gegen die Polen im Osten. Doch die Angriffe mi\u00dflangen, und ein mei\u00dfnisches Heer, das die Kurf\u00fcrstin Katharina in Vertretung ihres auf dem Reichstage weilenden Gemahls bei Freiberg zusammengezogen hatte, um das an Mei\u00dfen verpf\u00e4ndete Aussig zu entsetzen, erlag in der Mordschlacht des 16. August 1426 den Hussiten. Ebenso scheiterte der Kreuzzug des Jahres 1427 am 3. August bei Mies. Mitten in diesen aussichtslosen K\u00e4mpfen starb Kurf\u00fcrst Friedrich am 4. Januar 1428, der erste Wettiner, der in der von ihm erbauten F\u00fcrstenkapelle des Domes zu Mei\u00dfen bestattet wurde. Ihm folgte im Kurlande sein \u00e4ltester Sohn Friedrich V. der Sanftm\u00fctige allein (1428\u201364), in den \u00fcbrigen L\u00e4ndern mit seinen drei Br\u00fcdern Sigismund, Heinrich und Wilhelm III. gemeinsam. Erst 1436, als Heinrich gestorben und Sigismund in das Kloster Weida eingetreten war, teilten die beiden anderen Br\u00fcder das Gebiet auf 9 Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen wuchs die Hussitennot. Denn da das Lehnswesen die rasche Bildung eines schlagfertigen Heeres aufs \u00e4u\u00dferste erschwerte, so verteidigten sich zwar die festen St\u00e4dte meist mit Erfolg gegen die tschechischen Raubscharen, aber das platte Land war ihnen wehrlos preisgegeben, so da\u00df allein im Umfange des jetzigen K\u00f6nigreichs Sachsen gegen 300 D\u00f6rfer vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt wurden und ihre Fluren als \u201ew\u00fcste Marken\u201c liegen blieben. Schon 1427 waren die Hussiten in der Ober-Lausitz erschienen, 1429 zogen sie das Elbtal bis Magdeburg hinab und verw\u00fcsteten auf dem R\u00fcckmarsche die Lausitz; 1430 kamen sie die Mulde herab und zogen von Grimma s\u00fcdw\u00e4rts durch das Vogtland heim, wobei sie Altenburg, Plauen und Auerbach nahmen; zu Ende desselben Jahres erschienen sie wieder in der Ober-Lausitz. Nachdem auch der letzte gro\u00dfe Kreuzzug des Reichs gegen B\u00f6hmen am 14. August 1431 bei Tau\u00df schm\u00e4hlich gescheitert war, schlo\u00df Kurf\u00fcrst Friedrich am 23. August 1432 einen Sonderfrieden auf zwei Jahre ab. Erst dem Konzil von Basel gelang es 1433, den Kampf durch einen kirchlichen Ausgleich (Anerkennung einer hussitischen Landeskirche) zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz darnach er\u00f6ffnete der Tod Kaiser Sigismunds 1437 dem Habsburger Albrecht II. (1438\u201339) das gesamte luxemburgische Erbe und das Kaisertum, das seitdem in diesem Hause tats\u00e4chlich erblich wurde. Da die Habsburger als Herren von B\u00f6hmen unmittelbare Nachbarn der Wettiner waren, so pflegten diese enge Beziehungen mit ihnen, die Kurf\u00fcrst Friedrich schon durch seine Ehe mit Margaretha, Tochter des Erzherzogs Ernst von \u00d6sterreich, angebahnt hatte und durch die Verlobung seines Bruders Wilhelm mit Anna, der Tochter Albrechts II., noch befestigte. Er f\u00f6rderte deshalb auch die Wahl Friedrichs III. von \u00d6sterreich zum Kaiser (1440\u20131493) und folgte dem Basler Konzil gegen\u00fcber wesentlich dessen Politik. Da n\u00e4mlich die allgemeine Reform der Kirche an den widerstreitenden Interessen der gro\u00dfen Nationen scheiterte, und in Deutschland keine starke nationale Staatsgewalt vorhanden war, um die Bildung einer Nationalkirche nach dem Muster Frankreichs, Englands und Spaniens durchzusetzen, so gewannen hier die gr\u00f6\u00dferen Landesherren die Anf\u00e4nge zur Kirchenhoheit, und auch Friedrich erhielt 1443 f\u00fcr die Herz\u00f6ge von Sachsen auf hundert Jahre das Recht, die Bewerber f\u00fcr die drei Bist\u00fcmer und f\u00fcr eine Anzahl von Domherrenstellen vorzuschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere K\u00e4mpfe entstanden aus dem Anfalle Th\u00fcringens an die osterl\u00e4ndisch-mei\u00dfnische Linie nach dem Tode Friedrichs des Friedfertigen 1440. Denn Landgraf Wilhelm III., der Tapfre, dem in der Teilung von 1445 Th\u00fcringen mit einem St\u00fcck des Osterlandes zugefallen war, strebte, aufgereizt von den Br\u00fcdern Apel und Busso von Vitzthum, und gest\u00fctzt auf seinen Schwager, den jungen K\u00f6nig Ladislaus von B\u00f6hmen (1439\u20131457), sowie auf Brandenburg, nach einer Vergr\u00f6\u00dferung seines Anteils. So kam es zu dem verheerenden s\u00e4chsischen Bruderkriege (1446\u201351), in dem die wilden b\u00f6hmischen S\u00f6ldner Wilhelms, die Zebraken, 1450 Gera erst\u00fcrmten und verw\u00fcsteten. Erst am 27. Januar 1451 kam der Friede in Kloster Pforta bei Naumburg zu stande.<\/p>\n\n\n\n<p>In unmittelbarer Beziehung zu dem Kriege und seinen verwildernden Folgen stand der sogenannte Prinzenraub, die Entf\u00fchrung der S\u00f6hne Friedrichs, Ernst und Albrecht, vom Altenburger Schlosse in der Nacht des 7. Juli 1455 durch Kunz von Kauffungen, der sich f\u00fcr seine Kriegsdienste vom Kurf\u00fcrsten nicht gen\u00fcgend entsch\u00e4digt glaubte und von ihm ein hohes L\u00f6segeld zu erzwingen hoffte, aber, bei Elterlein gefangen genommen, f\u00fcr seinen dreisten Streich schon am 15. Juli in Freiberg mit dem Leben b\u00fc\u00dfte. Den letzten Abschlu\u00df der K\u00e4mpfe bildete die Erbeinigung, die am 29. April 1457 die Wettiner mit Hessen erneuerten und auf Brandenburg ausdehnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller St\u00f6rungen arbeitete Friedrich doch an der lehnsrechtlichen und territorialen Schlie\u00dfung seines Gebietes r\u00fcstig weiter. Schon 1428 sicherte er sich nach dem Falle des letzten reichsunmittelbaren Mei\u00dfner Burggrafen aus dem Hause Hartenstein, Heinrichs II. (bei Aussig 1420), von dessen Besitzungen zun\u00e4chst Lichtenwalde, Sayda und Purschenstein, w\u00e4hrend Frauenstein und das burggr\u00e4fliche Amt selbst an Heinrich Reu\u00df von Plauen kam, nahm aber nach langer Belagerung auch das feste Schlo\u00df Frauenstein 1438\/39, so da\u00df dem Reu\u00dfen nur noch der leere Titel blieb; 1429 kaufte er auch die Burggrafschaft Altenburg; 1443 erwarb er von dem b\u00f6hmischen Herrengeschlecht der Berka von der Duba im Tausch gegen M\u00fchlberg an der Elbe Hohnstein, 1451 auch Wildenstein (Burg am Kuhstall). Dagegen f\u00fchrte der lange Streit mit Brandenburg um die Nieder-Lausitz, die 1422 von K\u00f6nig Sigismund an die Herren von Polenz verpf\u00e4ndet, 1441 aber unter kurs\u00e4chsischen Schutz getreten war, nicht zur Erwerbung des ganzen Landes. Vielmehr erwarb Friedrich II. von Brandenburg 1442 die Hoheit \u00fcber Teupitz und Peitz, 1443 das Erbrecht auf Beeskow und Storkow von den Biberstein, 1443\u201345 Kottbus und zwang 1448 die Polenz, ihm die ganze Nieder-Lausitz gegen Erstattung der Pfandsumme zu \u00fcberlassen, so da\u00df sich endlich 1451 der Kurf\u00fcrst von Sachsen mit Hoyerswerda und Senftenberg begn\u00fcgen mu\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ein schwerer R\u00fcckschlag folgte auf diese Bestrebungen der Wettiner und der Hohenzollern. Friedrich von Sachsen mu\u00dfte von dem gewaltigen hussitischen B\u00f6hmenk\u00f6nig Georg von Podjebrad (1457\u201371), der nach dem Tode des K\u00f6nigs Ladislaus die Habsburger aus ihrem Erbrechte verdr\u00e4ngt hatte und B\u00f6hmen zu einer gebietenden Machtstellung erhob, im Vertrage von Eger 25. April 1459 (auf Grund eines unsicheren Kaufvertrags aus der wirren Zeit nach dem Tode Heinrichs des Erlauchten) 63 mei\u00dfnische St\u00e4dte und Schl\u00f6sser (im und am Elbtale bis Pirna herab, au\u00dferdem Colditz, Leisnig, Eilenburg u. a. m.) sowie das mei\u00dfnische Vogtland erblich zu Lehen nehmen, wof\u00fcr die b\u00f6hmische Herrschaft Schwarzenberg (mit Platten und Gottesgab), die Georgs Tochter Sidonie (Zedena, Zdenka) dem mit ihr schon damals verlobten Albrecht (dem Beherzten) 1464 als Mitgift zubrachte, nur eine ganz ungen\u00fcgende Entsch\u00e4digung bot. Friedrich II. von Brandenburg aber wurde nach kurzem Kampfe im Frieden von Guben Juni 1462 gezwungen, die Nieder-Lausitz wieder an B\u00f6hmen herauszugeben, und behauptete (aber als b\u00f6hmische Lehen) nur Kottbus, Peitz, Teupitz, B\u00e4rwalde und das Anrecht auf Beeskow und Storkow nach dem Aussterben der Bibersteiner. Kurz nach diesen Entscheidungen starb Friedrich der Sanftm\u00fctige nach einer gl\u00fccklichen Ehe am 7. September 1464 in Leipzig, seiner Geburtsstadt, und hinterlie\u00df seinen S\u00f6hnen Ernst und Albrecht seine L\u00e4nder so, da\u00df Ernst das Kurland allein, die \u00fcbrigen Gebiete mit seinem Bruder bis 1485 gemeinsam regieren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die schwere Not der Zeit inmitten der Ohnmacht der schwindenden Reichsgewalt n\u00f6tigte die Wettiner auch jetzt, sich eng an B\u00f6hmen, die ma\u00dfgebende Macht des deutschen Ostens, anzulehnen. Im Nordosten wuchs Polen-Litthauen drohend empor, besonders als es mit dem ewigen Frieden von Thorn 1466 das untere Weichselland gewonnen und den Rest des preu\u00dfischen Ordenslandes seiner Lehnshoheit unterworfen hatte; hinter B\u00f6hmen stand Ungarn, seit 1457 unter dem nationalen K\u00f6nigtum des Matthias Corvinus, als Vormauer gegen die drohende Macht der Osmanen; im Westen hatte sich aus franz\u00f6sischen und deutschen Grenzl\u00e4ndern die Kriegsmacht der Herz\u00f6ge von Burgund gebildet. Im Kampfe gegen sie nahm Herzog Albrecht der Beherzte (Animosus) als des \u201eKaisers gewaltiger Marschalk und Bannermeister\u201c an dem Siege bei Neu\u00df teil, der im Mai 1475 den Angriff Herzog Karls des K\u00fchnen auf die Rheinlande zur\u00fcckwies, und die Verm\u00e4hlung seiner Erbtochter Maria mit dem Erzherzog Maximilian von \u00d6sterreich 1477 machte der burgundischen Kriegsgefahr ein Ende. Daf\u00fcr brach im Osten nach Georg Podjebrads Tode 1471 ein langwieriger Kampf um die b\u00f6hmische Krone zwischen Wladislaw von Polen und Matthias von Ungarn aus, der erst 1479 zu Olm\u00fctz unter Albrechts Teilnahme so geschlichtet wurde, da\u00df Matthias Schlesien und die Lausitzen mit dem b\u00f6hmischen K\u00f6nigstitel erhielt, also zum \u00f6stlichen Nachbarn der wettinischen L\u00e4nder wurde. Als er im Kriege mit dem Kaiser 1485 auch Wien und Nieder-\u00d6sterreich erobert hatte, waren fast alle deutschen Grenzl\u00e4nder im Osten in den H\u00e4nden fremder M\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Um so eifriger waren die Wettiner auf die Erweiterung ihrer Macht und ihres Einflusses ebensowohl nach Westen wie nach Osten in der Nieder-Lausitz bedacht. Schon 1466 entrissen sie Stadt und Herrschaft Plauen dem Hause Reu\u00df; 1472 erkauften sie das schlesische Herzogtum Sagan mit dem niederlausitzischen Priebus von Herzog Johann dem Wilden, 1477, allerdings nur auf Wiederkauf (bis 1512), die niederlausitzischen Herrschaften der Bibersteiner, Sorau mit Tribel, Beeskow und Storkow, wobei alle diese Besitzungen freilich b\u00f6hmische Lehen blieben. In demselben Jahre zwangen sie die Stadt Quedlinburg auf den Antrag ihrer Schwester, der Reichs\u00e4btissin Hildegard, ihre Schirmvogtei anzuerkennen; sie erreichten 1476 die Wahl Ernsts von Sachsen, eines Sohnes des Kurf\u00fcrsten, zum Erzbischof von Magdeburg, 1480 zum Bischof von Halberstadt (\u2020 1513), und erwirkten 1482 die Wahl seines Bruders Albrecht zum Erzbischof von Mainz (\u2020 1482), worauf auch das trotzige Erfurt sich 1483 ihrer Vogtei unterwerfen mu\u00dfte. Endlich wurde Albrechts des Beherzten Sohn Friedrich 1498 zum Hochmeister des Deutschen Ordens gew\u00e4hlt (\u2020 1510). Da au\u00dferdem schon 1482 nach dem Tode ihres Oheims Wilhelms III. (17. September), auch Th\u00fcringen den Br\u00fcdern zugefallen war, so schien dem Hause Wettin bei der zunehmenden Zerkl\u00fcftung des Reichs eine gro\u00dfe Zukunft sicher. Denn es beherrschte unter verschiedenen Rechtstiteln Kursachsen, das sehr vergr\u00f6\u00dferte Mei\u00dfen, Th\u00fcringen, erhebliche Teile der Nieder-Lausitz und sogar Schlesiens, Magdeburg und Halberstadt, also ein meist zusammenh\u00e4ngendes Gebiet vom Bober bis zur Werra, vom Erzgebirge bis an die M\u00fcndung der Havel (vom preu\u00dfischen Ordenslande ganz abgesehen) und hatte damals die brandenburgischen Hohenzollern weit \u00fcberfl\u00fcgelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein eben der Anfall Th\u00fcringens f\u00fchrte, besonders auf den Betrieb Ernsts, trotz des entgegengesetzten Beispiels, das der Kurf\u00fcrst Albrecht Achilles von Brandenburg 1473 mit der Dispositio Achillea \u00fcber die Unteilbarkeit der Mark gegeben hatte, und trotz des Widerstrebens der St\u00e4nde zu der verh\u00e4ngnisvollen Teilung von Leipzig am 26. August 1485.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst erhielt zu Kursachsen den gr\u00f6\u00dften Teil Th\u00fcringens mit einer H\u00e4lfte der Pfalz Sachsen, das wettinische Franken (Koburg), das Vogtland und einen Teil des Plei\u00dfner- und Osterlandes (mit Altenburg), sowie die Vogtei \u00fcber das Bistum Naumburg und die Hoheit \u00fcber die Grafen von Gleichen, Kirchberg und die Reu\u00dfen. Albrecht nahm Mei\u00dfen, das \u00fcbrige Plei\u00dfen- und Osterland mit Leipzig, das n\u00f6rdliche Th\u00fcringen, die Hoheit \u00fcber die meisten th\u00fcringischen Grafen und die Vogtei \u00fcber die Stifter Merseburg und Quedlinburg. Gemeinsam blieben die Bergst\u00e4dte, Sagan, die Bibersteinischen Herrschaften, die Vogtei \u00fcber das Bistum Mei\u00dfen sowie \u00fcber die St\u00e4dte M\u00fchlhausen, Nordhausen und Erfurt.<\/p>\n\n\n\n<p>Absichtlich waren die Gebiete beider Linien unentwirrbar ineinandergeschlungen und vieles ganz gemeinsam gelassen worden, um die Einheit des Landes auch jetzt noch m\u00f6glichst zu erhalten; tats\u00e4chlich aber legte gerade dies den Grund zu fortgesetztem Zwist und endlich zu vollkommener Entzweiung, die die Wettinischen Lande f\u00fcr immer zerri\u00df und f\u00fcr ganz Deutschland verderblich wurde.<\/p>\n\n\n<div class=\"gb-button-wrapper gb-button-wrapper-95a2fb45\">\n\n<a class=\"gb-button gb-button-1b2d6cdb\" href=\"javascript:history.back();\"><span class=\"gb-icon\"><svg aria-hidden=\"true\" role=\"img\" height=\"1em\" width=\"1em\" viewBox=\"0 0 256 512\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M31.7 239l136-136c9.4-9.4 24.6-9.4 33.9 0l22.6 22.6c9.4 9.4 9.4 24.6 0 33.9L127.9 256l96.4 96.4c9.4 9.4 9.4 24.6 0 33.9L201.7 409c-9.4 9.4-24.6 9.4-33.9 0l-136-136c-9.5-9.4-9.5-24.6-.1-34z\"><\/path><\/svg><\/span><span class=\"gb-button-text\">Zur\u00fcck.<\/span><\/a>\n\n<\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<p class=\"gb-headline gb-headline-ec27a170 gb-headline-text\"><strong>Quellangaben und Verweise.<\/strong><br><sub>Aus: S\u00e4chsische Geschichte von Prof. Dr. Otto Kaemmel, Leipzig 1905, G. J. G\u00f6schen&#8217;sche Verlagshandlung.<\/sub><br><sub>Quelle: <a href=\"https:\/\/staatsbibliothek.ewigerbund.org\/viewer\/image\/kaemmel_saechsische_geschichte_1905\/46\/LOG_0013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/staatsbibliothek.ewigerbund.org\/viewer\/image\/kaemmel_saechsische_geschichte_1905\/46\/LOG_0013\/<\/a><\/sub><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1423 bis 1485. Mit der Kurw\u00fcrde traten die Wettiner, fast zugleich mit den brandenburgischen Hohenzollern, in den h\u00f6chsten Adel des Reiches, in das Kollegium der sieben Kurf\u00fcrsten, ein, das nach der Goldnen Bulle von 1356 den Kaiser w\u00e4hlte. Sie gewannen damit auch w\u00e4hrend der Thronvakanz das Reichsvikariat in den L\u00e4ndern s\u00e4chsischen Rechts, also f\u00fcr Norddeutschland, &#8230; <a title=\"1423. 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