{"id":554,"date":"2022-11-12T14:29:27","date_gmt":"2022-11-12T13:29:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/?page_id=554"},"modified":"2022-11-16T10:43:32","modified_gmt":"2022-11-16T09:43:32","slug":"die-frauen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/sachsen\/land-und-leute\/die-frauen\/","title":{"rendered":"Die Frauen."},"content":{"rendered":"\n<p>Da die Eigent\u00fcmlichkeit eines Volkes am reinsten von den Frauen festgehalten zu werden pflegt, m\u00fcssen wir auch h\u00f6ren, was der Leumund Sachsens \u00fcber die Frauen sagt. Schon die volkst\u00fcmliche Redensart, da\u00df in Sachsen die sch\u00f6nen M\u00e4dchen auf den B\u00e4umen wachsen, ist nicht nur des Reims wegen entstanden, sondern Ergebnis einer richtigen Beobachtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sodann spricht sich der mehrfach genannte Baron von Loen \u00fcber die Sch\u00f6nheit und Liebensw\u00fcrdigkeit der s\u00e4chsischen Frauen folgenderma\u00dfen aus: \u201eDas Frauenzimmer in Sachsen und darunter das mei\u00dfnische hat etwas Holdseliges und Liebreizendes. Es \u00fcbertrifft noch die Engl\u00e4nderinnen an Wuchs und Sch\u00f6nheit. Es hat die Feinheit der Franz\u00f6sinnen und das Feuer der Italienerinnen. In dem schmeichelhaften Wesen aber geht es allen vor. Es schl\u00e4gt eben die Augen insgemein nur deshalb nieder, um mit einem gesch\u00e4rften Blicke desto mehr Unheil anzurichten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ziehen wir hiervon das ab, was auf Rechnung des nun l\u00e4ngst vergangenen \u201egalanten Sachsens\u201c zu schreiben ist, so stimmen wir gern heute noch in das darin den Frauen Sachsens erteilte Lob ein. Haben sie es doch nicht nur dem Baron von Loen, sondern so manchem andern angethan.<\/p>\n\n\n\n<p>Bezeichnend hierf\u00fcr ist die sprichw\u00f6rtliche Redensart: \u201eWer von Wittenberg kommt mit gesundem Leib, von Jena ungeschlagen, von Leipzig ohne Weib, der kann von Gl\u00fccke sagen\u201c; sowie die 1704 zur 200j\u00e4hrigen Jubelfeier der Universit\u00e4t Wittenberg auf die genannten drei s\u00e4chsischen Universit\u00e4ten geschlagene M\u00fcnze; dieselbe zeigt n\u00e4mlich den Wittenberger Studenten mit steifer Miene das Bierglas in der Hand, aber das Tuch unter dem Arme, den Jenenser mit gezogenem Degen und einer gro\u00dfen Schmarre auf dem Backen, den Leipziger \u2013 mit einem entflammten Herzen in der Hand! Die Unterschrift sagt: Trabit sua quemque voluptas.<\/p>\n\n\n\n<p>Desgleichen stellt ein Ausspruch Gottscheds den wilden J\u00e4gern an der Saale, d. h. den Jenaischen Studenten, die sanften Sch\u00e4fer an der Plei\u00dfe, d. h. die Leipziger Studenten, gegen\u00fcber. Ausschlie\u00dflich mit diesem Gegensatze besch\u00e4ftigt sich das als Zeit- und Sittenbild h\u00f6chst wertvolle Gedicht Zachari\u00e4s \u201eDer Renommist\u201c, auf welches schon oben S. 7 einmal Bezug genommen war. Hier wird am \u201eRaufbold\u201c das nur auf Trinken und Schlagen hinauskommende rohe und w\u00fcste Treiben der Studenten auf den kleinen deutschen Universit\u00e4ten dargestellt, an \u201eSylvan\u201c hingegen der durch das Leben in der gro\u00dfen Stadt und vor allem durch den Umgang mit gebildeten und liebensw\u00fcrdigen Frauen verfeinerte, darum aber auch etwas geckenhafte Ton des Leipziger Studenten, und zwar so, da\u00df durch den Waffenerfolg Sylvans \u00fcber Raufbold deutlich die Vorliebe des Dichters f\u00fcr den ersteren bekundet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Geradezu \u00fcberschwenglich in seinem Lobe der s\u00e4chsischen Frauen ist der \u201ereisende Franzose\u201c. Er schreibt von Dresden aus (41. Brief): \u201eJe l\u00e4nger ich hier bin, Bruder, um so mehr glaube ich in meinem Vaterlande zu sein. Die Sitten der hiesigen Einwohner, ihre Lebensart, ihre Geb\u00e4rden, Vergn\u00fcgungen, der Ton ihrer Gesellschaften, kurz alles versetzt mich nach Haus. Ich w\u00fcnsche nur, da\u00df unsre Damen, Fr\u00e4uleins und M\u00e4dchen so sch\u00f6n und frisch w\u00e4ren als die hiesigen! Ich erinnere mich, da\u00df eine \u00d6sterreicherin, als einige Herren in einer Gesellschaft den S\u00e4chsinnen eine gro\u00dfe Lobrede hielten, denselben zur Antwort gab: \u201eGebt uns nur so sch\u00f6ne und artige M\u00e4nner als die Sachsen sind und dann la\u00dft uns f\u00fcr das \u00fcbrige sorgen! Das hiesige Frauenzimmer hat nicht nur die Kenntnisse, welche unmittelbar dazu beitragen, seine nat\u00fcrlichen Reize zu erh\u00f6hen, sondern auch sehr viel allgemeine Weltkenntnis und, was noch viel mehr ist, sch\u00f6ne Sitten! Hier gibt es wahre Ideale von Sch\u00f6nheiten! Schlank von Wuchs, frisch von Fleisch und Farbe, rund von Knochen und lebhaft in Geb\u00e4rde h\u00fcpfen die M\u00e4dchen daher wie die jungen Rehe, um mit Salomo zu sprechen, an den ich Dich \u00fcberhaupt verweisen will, denn ich bin wirklich nicht dazu aufgelegt, Dir ein dich- terisches Gem\u00e4lde davon zu geben, ob ich schon noch kein Frauenzimmer gesehen habe, das mich so leicht zu einem hohen Liede entz\u00fccken k\u00f6nnte als das hiesige.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er bei einigen Landedelleuten in der Umgebung von Leipzig zu Besuch gewesen ist, schreibt er von ihren T\u00f6chtern: \u201eSie sind die artigsten Gesch\u00f6pfe von der Welt. Ihre nat\u00fcrliche Empfindsamkeit und Lebhaftigkeit nimmt in der Stille des Landlebens gemeiniglich einen romantischen Schwung, der in allen ihren Geb\u00e4rden, Blicken und Reden sichtbar ist. Lessings Minna von Barnheim, die Du ohne Zweifel kennst, hat etwas von ihrer verliebten Schw\u00e4rmerei; allein ihre charakteristische Laune ist mehr die Art der s\u00e4chsischen Stadtfr\u00e4ulein. Die Landfr\u00e4ulein \u00fcberhaupt genommen, haben das Pikante und Neckende der Minna nicht, sondern sind viel nachdenkender und schmelzender, aber alle sind gleich sch\u00f6n, wie die Engel!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr h\u00f6chst bedenklich h\u00e4lt er unter diesen Umst\u00e4nden die Besch\u00e4ftigung mit leichter und seichter Unterhaltungslitteratur. \u201eDie Modelekt\u00fcre\u201c, schreibt er, \u201ewelche jetzt in Deutschland \u00fcberhaupt herrscht, n\u00e4mlich die Kom\u00f6dien und Romane, sind keine gute Nahrung f\u00fcr die von Natur so z\u00e4rtlichen Landfr\u00e4ulein in Sachsen!\u201c Da die Blumen der Sch\u00f6nheit, welche er in Sachsen geschaut, ihm gar so gut gefallen haben, bedauert er nur wehm\u00fctig das eine, da\u00df sie nicht besser gepflegt werden, um l\u00e4nger zu bl\u00fchen. \u201eDenn das hiesige Frauenzimmer\u201c, schreibt er von den Dresdnerinnen, \u201escheint geschwinde zu verbl\u00fchen, denn ich sah wenig Weiber von 50 Jahren, an denen nicht die Spuren des Verwelkens sichtbar waren. Das heftige Temperament mag viel dazu beitragen, vielleicht aber noch mehr die schlechten Nahrungsmittel, verbunden mit der Sorge f\u00fcr das Hauswesen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Aus: Der Leumund der Sachsen. Festschrift zur Jubelfeier der 800 j\u00e4hrigen Regierung des Hauses Wettin \u00fcber das gegenw\u00e4rtige K\u00f6nigreich Sachsen, verfa\u00dft von Hermann Ferdinand von Criegern, Leipzig 1889, Verlag und Druck von Otto Spamer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Quelle: <a href=\"https:\/\/staatsbibliothek.ewigerbund.org\/viewer\/image\/criegern_leumund_sachsen_1889\/30\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/staatsbibliothek.ewigerbund.org\/viewer\/image\/criegern_leumund_sachsen_1889\/30\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da die Eigent\u00fcmlichkeit eines Volkes am reinsten von den Frauen festgehalten zu werden pflegt, m\u00fcssen wir auch h\u00f6ren, was der Leumund Sachsens \u00fcber die Frauen sagt. Schon die volkst\u00fcmliche Redensart, da\u00df in Sachsen die sch\u00f6nen M\u00e4dchen auf den B\u00e4umen wachsen, ist nicht nur des Reims wegen entstanden, sondern Ergebnis einer richtigen Beobachtung. 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