{"id":1241,"date":"2022-10-22T19:02:24","date_gmt":"2022-10-22T17:02:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/bayern\/?page_id=1241"},"modified":"2023-01-18T22:11:40","modified_gmt":"2023-01-18T21:11:40","slug":"die-deutsche-einheit-dritter-theil","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/bayern\/geschichte\/die-deutsche-einheit-dritter-theil\/","title":{"rendered":"1861-1888. Die Deutsche Einheit. Dritter Teil."},"content":{"rendered":"\n<p>Frei nach Dr. Hans Reinlein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00fcndung des neuen Deutschen Reiches.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>a) Der Deutsch-Franz\u00f6sische Krieg. 1870-1871.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ursache.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit neidischen Augen sahen die Franzosen auf die wachsende Macht Preu\u00dfens. Man suchte nach einem Vorwande zum Kriege, und er war bald gefunden. Die Spanier w\u00e4hlten sich n\u00e4mlich um jene Zeit den Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, einen Verwandten des K\u00f6nigs von Preu\u00dfen, zu ihrem K\u00f6nige. Dagegen erhoben die Franzosen heftigen Einspruch. Napoleon III., durch t\u00f6richte Ratgeber aufgehetzt, verlangte vom K\u00f6nig Wilhelm, da\u00df er dem Prinzen die Annahme der spanischen Krone verbiete. Es gen\u00fcgte den hochm\u00fctigen Franzosen nicht, da\u00df der K\u00f6nig hierauf erkl\u00e4rte, er habe zu solchem Verbote kein Recht; auch das gen\u00fcgte nicht, da\u00df der Prinz aus eigenem Antriebe auf die Krone verzichtete. In ihrer Verblendung forderten sie vom K\u00f6nig Wilhelm sogar schriftlich das Versprechen, da\u00df er die Bewerbung des Prinzen nicht von neuem zulassen werde. Entr\u00fcstet wies der K\u00f6nig den franz\u00f6sischen Gesandten Benedetti, der ihm diese Erkl\u00e4rung in Ems abforderte, zur\u00fcck. Von diesen Ereignissen setzte der K\u00f6nig Bismarck telegraphisch in Kenntnis. Dieser ver\u00f6ffentlichte die \u201eEmser Depesche\u201c in verk\u00fcrzter Form, um dem Volke zu zeigen, welche Dem\u00fctigung man seinem K\u00f6nig zugedacht hatte. Zwei Tage sp\u00e4ter beschlo\u00df Frankreich den Krieg gegen Preu\u00dfen. Am 19. Juli traf die Kriegserkl\u00e4rung in Berlin ein, und an demselben Tage, dem Todestage seiner unverge\u00dflichen Mutter, erneuerte der K\u00f6nig den Orden des Eisernen Kreuzes als Auszeichnung f\u00fcr tapfere Taten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcstung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig begab sich sofort nach Berlin, wo er mit lautem Jubel begr\u00fc\u00dft wurde. Noch in der selben Nacht erteilte er den Befehl zur Mobilmachung der ganzen Armee. In wenigen Tagen stand sie ger\u00fcstet da. Mit dem Gesange: \u201eLieb Vaterland, magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht am Rhein!\u201c zog sie nach Westen. Auch die S\u00fcddeutschen (Bayern, W\u00fcrttemberger und Badener) griffen begeistert zu den Waffen. So einig hatte man das deutsche Volk noch nie gesehen. Napoleon war dar\u00fcber sehr entt\u00e4uscht; denn er hatte bestimmt erwartet, da\u00df sich S\u00fcddeutschland mit ihm verb\u00fcnden werde. Es wurden nun drei gro\u00dfe Armeen gebildet: die erste stand unter Steinmetz an der Mosel, die zweite unter dem Prinzen Friedrich Karl in der Rheinpfalz, die dritte unter dem Kronprinzen von Preu\u00dfen etwas weiter s\u00fcdlich von Landau bis Karlsruhe. Den Oberbefehl \u00fcber das ganze deutsche Heer \u00fcbernahm K\u00f6nig Wilhelm I. von Preu\u00dfen; ihm zur Seite stand Graf Moltke als Generalstabschef und auch der Bundeskanzler Graf Bismarck begleitete ihn ins Feld. Die Franzosen stellten zwei Heere auf, das eine unter Bazaine bei Metz, das andere unter Mac Mahon bei Stra\u00dfburg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wei\u00dfenburg. 4. August.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Kronprinz, in dessen Armee die beiden bayerischen Armeekorps (unter den Gener\u00e4len von der Tann und Hartmann) neben preu\u00dfischen, w\u00fcrttembergischen und badischen Truppen k\u00e4mpften, \u00fcberschritt zuerst die franz\u00f6sische Grenze und r\u00fcckte auf Wei\u00dfenburg los. Auf dem nahen Geisberge hatten sich die Franzosen verschanzt. Unter dem m\u00f6rderischen Feuer der feindlichen Batterien und Chassepots erklommen die Deutschen, ohne einen Schu\u00df zu tun, den Berg und vertrieben die Franzosen aus ihren Verschanzungen. Dann ging es auf die Festung selbst los; die Tore wurden gesprengt und unaufhaltsam drangen die Deutschen in die Stadt ein. In den H\u00e4usern aber hielten sich viele Turkos verborgen, die aus den Fenstern und von den D\u00e4chern auf die Eindringenden feuerten. Diese jedoch schlugen mit dem Kolben T\u00fcren und Fenster ein und machten die Besatzungsmannschaften zu Gefangenen. Das war der \u201eerste Schlag und der erste Sieg\u201c. Ganz Deutschland jubelte laut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00f6rth. 6. August.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter stie\u00df der Kronprinz auf Mac Mahon, der bei W\u00f6rth die Vogesenp\u00e4sse besetzt hielt. Auf den H\u00f6hen waren hinter Schanzen Kanonen und Kugelspritzen aufgestellt. Die Stadt selbst war stark mit Truppen angef\u00fcllt, und in den umliegenden Weinbergen lauerten ganze Schw\u00e4rme t\u00fcckischer Turkos. Am fr\u00fchen Morgen begann der Kampf. Am heftigsten ward bei W\u00f6rth gestritten. Endlich dringen die Deutschen in die Stadt ein; hier setzt sich der Kampf auf der Stra\u00dfe und in den H\u00e4usern fort, bis die Stadt von Feinden ges\u00e4ubert ist. Nun geht es jenseits der Stadt die Anh\u00f6hen hinan. Mit Geheul werden die K\u00e4mpfer von den Turkos empfangen. Zum Schie\u00dfen ist bald keine Zeit mehr, und Kolben und Bajonett schmettern die schwarzen Afrikaner nieder. Ihre tierische Wut vermag nichts gegen die geordnete Kampfesweise der Deutschen. Nach zw\u00f6lfst\u00fcndigem Kampfe eilen die Franzosen in wilder Flucht davon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spichern. 6. August.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An demselben Tage siegte auch Steinmetz \u00fcber die Franzosen, die den Spicherer Berg, s\u00fcdlich von Saarbr\u00fccken, besetzt hielten. Diese Stellung hielten sie f\u00fcr uneinnehmbar; aber die Deutschen krochen auf H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen den steilen Berg hinan und vertrieben den Feind mit dem Bajonett aus seinen Verschanzungen. Die Franzosen waren \u00fcber diese K\u00fchnheit ganz entsetzt und zogen sich nach Metz zur\u00fcck. Wenige Tage nach diesen ersten Siegen sah man in Berlin und auch gro\u00dfen St\u00e4dten Deutschlands viele franz\u00f6sische Soldaten, darunter zahlreiche schwarzbraune Turkos und Zuaven, als Gefangene. So freilich hatten sich die Franzosen die Sache nicht vorgestellt, als sie vor wenigen Wochen siegesmutig in Paris gerufen hatten: \u201eNach Berlin! Nach Berlin!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>b). Die K\u00e4mpfe bei Metz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bionville und Mars la Tour. 16.August.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Metz zog Bazaine (bas\u00e4hn) eine gro\u00dfe Armee zusammen. Bald merkten jedoch die Deutschen, da\u00df es seine Absicht war, nach Westen abzuziehen und sich mit Mac Mahon zu vereinigen. Um diesen Plan zu vereiteln, suchte man ihm in Eilm\u00e4rschen zuvorzukommen. Am 16. August entspann sich ein heftiger Kampf westlich von Metz bei Bionville und Mars la Tour. Der Feind hatte die \u00dcbermacht; dazu hatte er sich in den W\u00e4ldern eine feste Stellung geschaffen. Ganze Reihen der Deutschen wurden niedergeschmettert, aber andere r\u00fcckten an ihre Stelle, und allm\u00e4hlich gelang es, den Wald zu erreichen. Jetzt kam das Bajonett an die Reihe, und bald mu\u00dften die Franzosen weichen. Der Todesritt. Immer weiter drangen die Tapferen vor: aber dort am Waldessrande pflanzten sich feindliche Batterien auf, leicht konnten die K\u00e4mpfer umzingelt und abgeschnitten werden. Da erhielten die Halberst\u00e4dter K\u00fcrassiere und die altm\u00e4rkischen Ulanen den Befehl, die Batterien zu nehmen. Mit Sturmeseile fliegen die Reiter die H\u00f6hen hinan, den Batterien entgegen. Schneller als Kanonen und Mitrailleusen gerichtet werden k\u00f6nnen, sind sie oben. Mit Lanze und Pallasch werden die Kanoniere niedergestreckt. In rasendem Jagen geht es nun gegen eine Infanteriekolonne: auch sie wird niedergeritten. Der Sturm saust weiter. Da brechen pl\u00f6tzlich aus einer Waldesl\u00fccke feindliche K\u00fcrassiere hervor. Schwadron prallt auf Schwadron: sie \u00fcberreiten sich, sie schlagen sich nieder. Die Helden sinken blutend in den Staub und werden von Rosseshufen zertreten. Dann schwenken die deutschen Reiter und jagen zur\u00fcck. Die elf Z\u00fcge waren auf drei zusammengeschmolzen. Als Graf Schmottow, ihr F\u00fchrer, zum Sammeln blasen lie\u00df, kam ein Ton aus der Trompete heraus, der durch Mark und Bein ging: sie war zerschossen. Erst am Abend um 9 Uhr endete der blutige Kampf. Die Stra\u00dfe nach Westen war dem Feinde verlegt. (Gedicht: Die Trompete von Vionville.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>St. Privat und Gravelotte, 18. August.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter versuchte Bazaine in der Richtung nach Gravelotte zu entkommen. Auf den H\u00f6hen zwischen Gravelotte und St. Privat hatte er Stellung genommen. An den Waldr\u00e4ndern waren Verschanzungen aufgeworfen und, damit man sie nicht sehen sollte, so mit gr\u00fcnen Baumzweigen bedeckt, da\u00df man nur einen dichten Waldessaum vor sich zu haben glaubte. Der hei\u00dfeste Kampf entspann sich um das Dorf St. Privat. Hier hatte der Feind hinter Gr\u00e4ben, H\u00e4usern und Mauern eine sehr gedeckte Stellung, und die anst\u00fcrmenden Deutschen wurden mit einem m\u00f6rderischen Kugelregen \u00fcbersch\u00fcttet. Die Soldaten warfen sich platt auf die Erde, liefen einige f\u00fcnfzig Schritte und warfen sich dann wieder nieder. So erreichten sie endlich einen Chausseegraben, in dem sie l\u00e4ngere Zeit Schutz fanden. Inzwischen richtete die Artillerie ihre Geschosse auf St. Privat, scho\u00df ein Haus nach dem anderen in Brand und legte eine Mauer nach der anderen um. Gegen 7 Uhr nahmen die Deutschen das Dorf mit Sturm und machten viele Franzosen, die sich in Kellern und St\u00e4llen versteckt hielten, zu Gefangenen. Bazaine zog sich nach Metz zur\u00fcck. Als dann noch sp\u00e4t am Abend die Franzosen auch bei Gravelotte vollst\u00e4ndig zur\u00fcckgeworfen wurden, da konnte Moltke dem K\u00f6nige melden: \u201eMajest\u00e4t, der Sieg ist unser; der Feind zieht sich zur\u00fcck.\u201c Infolge dieser m\u00f6rderischen Schlachten um Metz mu\u00dfte sich Bazaine mit seiner Armee in die Festung Metz zur\u00fcckziehen. Hier umzingelte ihn Prinz Friedrich Karl und schlo\u00df ihn von allen Seiten fest ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c) Die Schlacht bei Sedan. 1. September 1870<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sedan.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die III. Armee unter dem Kronprinzen von Preu\u00dfen und die neugebildete IV. Armee unter dem Kronprinzen von Sachsen gingen jetzt gegen Mac Mahon vor, der im festen Lager von Chalons sein Heer neu geordnet hatte und Paris sch\u00fctzen wollte. Er bekam aber von dort den Befehl, dem eingeschlossenen Bazaine Hilfe zu bringen. Nun marschierte er in einem Bogen nach Norden und versuchte l\u00e4ngs der belgischen Grenze an den Deutschen vorbeizukommen. Sobald die deutsche Heeresleitung von der Bewegung erfuhr, lie\u00df sie die III. und IV. Armee eine bewundernsw\u00fcrdige Rechtsschwenkung machen. Am 30. August erreichten die Deutschen den Feind und schlugen einen Teil seines Heeres bei Beaumont. Mac Mahon hoffte, mit der Hauptmacht noch rechtzeitig zu entweichen. Bald war ihm aber von den deutschen Truppen der Weg versperrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Kampf.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Sedan kam es am 1. September zur Entscheidungsschlacht. Die kleine Festung liegt im Tale der Maas und ist ringsum von H\u00f6hen umgeben, zwischen denen zahlreiche D\u00f6rfer liegen. Sie waren alle von den Franzosen stark besetzt und befestigt. Die Absicht der Deutschen war, das franz\u00f6sische Heer in Sedan einzuschlie\u00dfen oder \u00fcber die belgische Grenze zu dr\u00e4ngen. Es war morgens 5 Uhr, als die Bayern den Kampf er\u00f6ffneten. Bald donnerten ringsum die Gesch\u00fctze. Ein Dorf nachdem anderen wurde erst\u00fcrmt, und immer enger zogen die Deutschen den Feuerring um die Festung. Alle Tapferkeit der Franzosen, alle Anstrengungen ihrer Reiterei, den Ring zu durchbrechen, waren vergebens. Um 3 Uhr nachmittags zog sich das kaiserliche Heer in wilder Flucht nach Sedan zur\u00fcck. 450 deutsche Gesch\u00fctze richteten sich auf die Stadt. Da zeigte sie die wei\u00dfe Fahne. Ein Offizier brachte dem K\u00f6nig von Preu\u00dfen einen Brief, in dem der Kaiser Napoleon schrieb: \u201eDa es mir nicht verg\u00f6nnt war, inmitten meiner Truppen zu sterben, so lege ich meinen Degen in die H\u00e4nde Eurer Majest\u00e4t.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcbergabe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht fanden die Verhandlungen wegen der \u00dcbergabe statt. 100.000 Mann gerieten in Gefangenschaft. Viele Waffen und Pferde fielen dem Sieger in die H\u00e4nde. Napoleon hatte fr\u00fch am Morgen des 2. September die Festung verlassen, um von K\u00f6nig Wilhelm mildere Bedingungen f\u00fcr das Heer zu erlangen. Eine Unterredung mit Bismarck f\u00fchrte nicht zum Ziel. K\u00f6nig Wilhelm empfing ihn erst am Nachmittage, als alle Verhandlungen abgeschlossen waren. Gro\u00dfm\u00fctig wies er dem Gefangenen das Schlo\u00df Wilhelmsh\u00f6he bei Kassel als vorl\u00e4ufigen Aufenthaltsort an. Einige Jahre sp\u00e4ter ist Napoleon in England gestorben. \u201eWelch eine Wendung durch Gottes F\u00fcgung!&#8220; telegraphierte der K\u00f6nig an seine Gemahlin. Unbeschreiblicher Jubel erf\u00fcllte Deutschland, Staunen und Bewunderung ganz Europa, als man die Kunde von der Gefangennahme Napoleons und seines ganzen Heeres vernahm. (Gedicht: Des deutschen Knaben Tischgebet.)<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Festmahle am folgenden Tage dankte K\u00f6nig Wilhelm seinen Mitarbeitern mit den Worten: \u201eSie, Kriegsminister von Roon, haben unser Schwert gesch\u00e4rft; Sie, General von Moltke, haben es geleitet, und Sie, Graf von Bismarck, haben seit Jahren durch Leitung der Politik Preu\u00dfen auf seinen jetzigen H\u00f6hepunkt gebracht!\u201d In Paris wurde der Kaiser Napoleon sofort von der Volksvertretung abgesetzt und Frankreich f\u00fcr eine Republik erkl\u00e4rt. Die neugebildete Regierung, an deren Spitze Jules Favre und Gambetta standen, wollten wohl den Frieden, aber Deutschland sollte keinen Fu\u00dfbreit Land, keine Festung haben. Damit aber konnten die Deutschen nicht zufrieden sein. Der Krieg musste mit der Republik fortgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vor Paris. Die Umzingelung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von Sedan aus eilte der Kronprinz mit seiner Armee sofort nach Paris. Die Stadt selbst ist mit einer fast 40 km langen Ringmauer umgeben und au\u00dferdem durch viele starke Au\u00dfenwerke gesch\u00fctzt. Schon am 19. September hatten 300.000 Deutsche in einem Umkreise von 75 km die Riesenstadt umzingelt. An allen wichtigen Punkten wurden Schanzen aufgeworfen und in endlosen Linien doppelte, ja dreifache Sch\u00fctzengr\u00e4ben gezogen. Die Gartenmauern wurden mit Schie\u00dfscharten versehen, und wo es sonst kein Deckungsmittel gab, errichtete man aus F\u00e4ssern, Balken, Hundeh\u00fctten, Matratzen usw. Barrikaden. Durch fortw\u00e4hrendes Feuern suchten die Franzosen alle diese Arbeiten zu st\u00f6ren; und wo nur eine Helmspitze, eine Lanze auftauchte, wo in der Dunkelheit ein Fenster erleuchtet war oder ein Soldat sich die Zigarre anz\u00fcndete, dahin sandten sie sofort ihre Granaten. Die Deutschen aber machten sich \u00fcber diese Pulververschwendung lustig, steckten Strohm\u00e4nner in alte Uniformen, verfertigten Gesch\u00fctzm\u00fcndungen aus Pappe und lachten sich halbtot, wenn die Franzosen wie w\u00fctend auf Pappe und Stroh losknallten: sie sparten ihr Pulver f\u00fcr eine bessere Gelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im <\/strong><strong>Qu<\/strong><strong>artier.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bewohner der umliegenden Ortschaften hatten sich beim Herannahen der Deutschen nach Paris gefl\u00fcchtet. Haus und Hof standen leer, und au\u00dfer Hund oder Katze war oft kein lebendes Wesen zur\u00fcck geblieben. Die Soldaten aber machten es sich in den verlassenen H\u00e4usern so bequem wie m\u00f6glich. Hier und da wohnten die Mannschaften in pr\u00e4chtigen, aber verlassenen Schl\u00f6ssern. Da blitzten die W\u00e4nde von Spiegeln; der Fu\u00dfboden ist mit Teppichen belegt, und auf den weichen Sofas ruht es sich recht behaglich. Die G\u00e4rten bieten Obst, Gem\u00fcse und Kartoffeln, in den Kellern sind gro\u00dfe Weinvorr\u00e4te: Brot und Wein wird reichlich geliefert, und an \u201eLiebeszigarren\u201c ist auch kein Mangel. Das Leben w\u00e4re hier ganz ertr\u00e4glich gewesen, wenn nur nicht fortw\u00e4hrend der Kanonendonner dazwischen gebrummt und der Vorpostendienst die behagliche Ruhe gest\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kampf und \u00dcbergabe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Paris hatte man wohl an 300.000 Mann, zum gr\u00f6\u00dften Teil Mobilgarden (eine Art Landwehr), zusammengezogen. Bald hier, bald dort wurde ein Ausfall gemacht, aber immer wurden die Franzosen von den Deutschen zur\u00fcckgeschlagen. Die Pariser lebten in gro\u00dfer Angst. Keinen Abend mehr brannten sie Gas, aus Furcht, eine Bombe k\u00f6nne einschlagen. Aber erst um Weihnachten begann die eigentliche Beschie\u00dfung. Ein Au\u00dfenwerk nachdem anderen wurden zum Schweigen gebracht, und immer enger zog sich der Kreis um die Stadt zusammen. An 20.000 Granaten wurden t\u00e4glich in die Stadt hineingeworfen, und an verschiedenen Orten entstand Feuer. Schlimmer aber noch war der Mangel an Lebensmitteln, der sich bald einstellte. Schon seit Mitte Dezember war Pferdefleisch ein Leckerbissen geworden. Man verschm\u00e4hte weder Hund noch Katze und zahlte f\u00fcr eine Ratte sogar 1-2 M. Auch an Holz und Kohlen fehlte es, und der Winter war bitter kalt. Krankheiten aller Art stellten sich ein; ganz besonders w\u00fcteten die Pocken. Kein Stand, keine Familie blieb von den Leiden und Entbehrungen der Belagerung verschont. Von Tag zu Tag wurde die Not gr\u00f6\u00dfer. Noch einmal, am 19. Januar, sollte ein Rettungsversuch gemacht werden. Ungeheure Truppenmassen versuchten in westlicher Richtung den Durchbruch. Aber die Deutschen hielten hinter den Schanzen wacker stand. Am Abend mu\u00dften die Franzosen wieder zur\u00fcck; der eiserne Ring blieb geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberall Sieg.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Belagerung von Paris hatte K\u00f6nig Wilhelm sein Hauptquartier in dem Schlosse zu Versailles. Fast t\u00e4glich gingen Nachrichten von neuen Siegen ein. Schon am 27. September war Stra\u00dfburg gefallen. Metz umschlo\u00df Prinz Friedrich Karl mit einem eisernen Ring. Es war eine schwere Aufgabe, die stark befestigte Stadt zu erobern. Der Hunger sollte sie bezwingen. Man mu\u00dfte jeden Augenblick darauf gefa\u00dft sein, da\u00df die gewaltige franz\u00f6sische Armee einen Durchbruch versuchen w\u00fcrde. Die Deutschen warfen hohe Schanzen auf, zogen Sch\u00fctzengr\u00e4ben und waren Tag und Nacht bereit, jeden Ausfall blutig zur\u00fcckzuweisen. Anhaltender Regen machte den Dienst noch schwerer. Die Soldaten standen stundenlang im tiefen Schmutz oder lagen in den mit Wasser gef\u00fcllten Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Nach dem Dienst fanden sie im nassen Stroh ihrer Laubh\u00fctten keine erquickende Ruhe. Bazaine wartete auf Hilfe von au\u00dfen. Damit verging die Zeit. Bald fehlte es an Lebensmitteln, selbst die Pferde waren geschlachtet; Seuchen hielten ihren verheerenden Einzug. Da \u00f6ffnete die Stadt am 27. Oktober ihre Tore. 170.000 Mann gerieten in Gefangenschaft. Es war Zeit, da\u00df die Belagerungstruppen f\u00fcr andere Kriegsarbeit frei wurden. Gambetta hatte inzwischen das belagerte Paris im Luftballon verlassen und mit gro\u00dfem Eifer neue Heere, die Loire- und die Nordarmee, aufgestellt und mit Hilfe der Amerikaner und Engl\u00e4nder ausger\u00fcstet. Die Kriegsflotte des Norddeutschen Bundes war nicht stark genug, die Einfuhr der Waffen zu hindern. Die neuen Heere sollten Paris befreien. \u00dcberall bildeten sich Freischaren (Franktireurs), die das Land durchstreiften und in Wald und Feld den Deutschen auflauerten. Prinz Friedrich Karl konnte sich jetzt zur Unterst\u00fctzung der Bayern gegen die franz\u00f6sische Loirearmee wenden, die bei Orleans (4. Dezember) und Le Mans (10.\u201412. Januar) vernichtet wurde. General G\u00f6ben besiegte die Nordarmee bei St. Quentin (19. Januar). Im S\u00fcdosten hatte General Werder, der Eroberer Stra\u00dfburgs, gegen den Freischarenf\u00fchrer Garibaldi harte K\u00e4mpfe zu bestehen. Dann erschien hier Bourbaki in der Absicht, die Verbindung der deutschen Heere mit ihrer Heimat abzuschneiden und einen Einfall in S\u00fcddeutschland zu machen. In der dreit\u00e4gigen Schlacht an der Lisaine besiegt, mu\u00dfte er diesen Plan aufgeben. Er wurde dann von General Manteuffel \u00fcber die Schweizer Grenze gedr\u00e4ngt, wo 80.000 Mann die Waffen streckten. Indessen hatten auch die Pariser eingesehen, da\u00df l\u00e4ngerer Widerstand nutzlos war. Am 28. Januar ergab sich die Stadt. S\u00e4mtliche Besatzungsmannschaften wurden zu Gefangenen gemacht, dazu mu\u00dften 160 Millionen Mark Kriegskosten von der Stadt gezahlt werden. In sieben Monaten waren 16 gro\u00dfe Schlachten gewonnen, 26 Festungen erobert und \u00fcber 370.000 Franzosen zu Gefangenen gemacht worden. Frankreichs Macht war gebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Friede.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gleich an die \u00dcbergabe von Paris schlo\u00df sich ein Waffenstillstand, dem dann der Friede zu Frankfurt a. M. folgte (10. Mai 1871). Frankreich mu\u00dfte das Elsa\u00df und den deutschen Teil Lothringens abtreten und 4.000 Millionen (4 Milliarden) Mark Kriegskosten zahlen. Die deutschen Truppen kehrten nun in ihre Heimat zur\u00fcck; \u00fcberall wurden sie mit Jubel empfangen. Am gro\u00dfartigsten war der Einzug der Truppen in Berlin. Die ganze Stadt war mit Fahnen, Laubgewinden und Kr\u00e4nzen geschm\u00fcckt, und eine halbe Million Fremder war zu dieser Festlichkeit herbeigeeilt. Als bleibendes Andenken wurde sp\u00e4ter die Siegess\u00e4ule errichtet. Glanzvoll gestaltete sich auch der Empfang der bayerischen Truppen, die mit ihrem tapferen F\u00fchrer, dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm an der Spitze, am 16. Juli 1871 unter Glockengel\u00e4ute und Kanonendonner durch das Siegestor in M\u00fcnchen einzogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>d)<\/strong> <strong>Das<\/strong> <strong>neue Deutsche Reich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufrichtung des Deutschen Reiches.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die gemeinsamen Siege aller deutschen V\u00f6lker hatten das Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit aufs neue geweckt; \u00fcberall brach das Verlangen nach Einigkeit m\u00e4chtig hervor. Die F\u00fcrsten, allen voran der K\u00f6nig Ludwig II. von Bayern, so wie die V\u00f6lker richteten daher an K\u00f6nig Wilhelm die Bitte, den deutschen Kaisertitel anzunehmen. Der K\u00f6nig erf\u00fcllte den allgemeinen Wunsch, und am 18. Januar 1871 wurde das im Jahre 1806 zusammengesunkene Deutsche Reich neu errichtet. Die bedeutungsvolle Feier fand, w\u00e4hrend noch vor Paris die Kanonen donnerten, im Schlosse zu Versailles statt. In einem gro\u00dfen Saale war ein Altar hergerichtet worden. Um 1 1\/2halb Uhr erschien der K\u00f6nig mit dem Kronprinzen, vielen F\u00fcrsten, Ministern und Generalen und stellte sich mit ihnen vor dem Altar auf. Ein kurzer Gottesdienst wurde abgehalten. Dann trat der K\u00f6nig vor und erkl\u00e4rte mit lauter Stimme vor den versammelten Offizieren und den mit dem Eisernen Kreuze geschm\u00fcckten Kriegern, da\u00df er die ihm von den F\u00fcrsten und dem Volke dargebotene Kaiserkrone annehme. Gleich darauf verlas Graf Bismarck die Ernennung K\u00f6nig Wilhelms zum Deutschen Kaiser. Zum Schlusse trat der Gro\u00dfherzog von Baden vor und rief: \u201eSeine Majest\u00e4t der Kaiser Wilhelm lebe hoch!\u201c Die ganze Versammlung stimmte dreimal begeistert in diesen Ruf ein, und die Musik spielte: \u201eHeil dir im Siegerkranz&#8220;. So war denn nun endlich erf\u00fcllt, was das deutsche Volk solange erseht hatte. Der alte Barbarossa war erwacht, die Raben &#8211; Hader und Zwietracht &#8211; waren verschwunden, und der l\u00e4ngst verwelkte Baum &#8211; das Deutsche Reich &#8211; begann unter dem Zepter des Kaisers zu gr\u00fcnen und zu bl\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verfassung des Deutschen Reiches.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Deutsche Reich ist ein Bundesstaat, zu dem 26 Staaten geh\u00f6ren. Das Oberhaupt ist der K\u00f6nig von Preu\u00dfen als erblicher Deutscher Kaiser. Unter seinem Oberbefehl stehen Heer und Marine. Er kann Krieg erkl\u00e4ren und Frieden schlie\u00dfen. Er ernennt die Reichsbeamten, beruft, er\u00f6ffnet, vertagt und schlie\u00dft den Reichstag. Die gesetzgebende Gewalt haben der Bundesrat und der Reichstag. Der Bundesrat besteht aus den Vertretern der deutschen Bundesf\u00fcrsten. Der Reichstag wird in geheimer Abstimmung vom Volke auf f\u00fcnf Jahre gew\u00e4hlt. Jeder 25 Jahre alte, unbescholtene Deutsche darf w\u00e4hlen und kann gew\u00e4hlt werden. Es gibt 397 Abgeordnete (<strong>davon 48 aus Bayern<\/strong>). Sind die Gesetze vom Bundesrat und Reichstag angenommen, so verk\u00fcndigt sie der Kaiser. Der oberste Reichsbeamte ist der Reichskanzler. Er ist der Vorsitzende des Bundesrates und tr\u00e4gt die Verantwortung f\u00fcr alle Handlungen der Regierung. F\u00fcr die einzelnen Angelegenheiten des Reiches sind besondere Reichs\u00e4mter gebildet: Das Ausw\u00e4rtige Amt, das Reichsamt des Innern, das Reichsmarineamt, das Reichsschatzamt, das Reichspostamt, das Reichsjustizamt und das Reichseisenbahnamt. An der Spitze jedes Amtes steht ein Staatssekret\u00e4r.<\/p>\n\n\n<div class=\"gb-button-wrapper gb-button-wrapper-7732e944\">\n\n<a class=\"gb-button gb-button-def3c21f gb-button-text\" href=\"https:\/\/forum.bayern.ewigerbund.org\/viewtopic.php?p=864#p864\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dieser Beitrag hat dir gefallen? 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