{"id":1139,"date":"2022-09-25T23:01:25","date_gmt":"2022-09-25T21:01:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/bayern\/?page_id=1139"},"modified":"2023-07-20T01:26:59","modified_gmt":"2023-07-19T23:26:59","slug":"bayern-unter-karl-albrecht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ewigerbund.org\/bayern\/geschichte\/bayern-unter-karl-albrecht\/","title":{"rendered":"1726-1745. Bayern unter Karl Albrecht."},"content":{"rendered":"\n<p>Karl Albrecht (1726-1745), des Kurf\u00fcrsten Max II. Emanuel, \u00e4ltester Sohn und Nachfolger, dachte beim Antritte seiner Regierung ernstlich daran, die Leiden seines Volkes zu heilen und die Schulden des Landes zu mindern. Er beschr\u00e4nkte die Zahl seiner Diener, reduzierte die Armee auf 12.000 Mann und lie\u00df in allen Teilen des Staatshaushaltes Ersparnisse eintreten. Zur Tilgung der \u00f6ffentlichen Schuld, die sich auf 30 Millionen belief, ward nach dem Antrage des geheimen Rathskanzlers Joseph von Unertl eine Schuldentilgungskommission errichtet und an die Verordneten der Landschaft das Ansinnen gestellt, einen Teil der Staatsschuld zu \u00fcbernehmen. Zur Tilgung der \u00f6ffentlichen Schuld, die sich auf 30 Millionen belief, ward nach dem Antrage des geheimen Rathskanzlers Joseph von Unertl eine Schuldentilgungskommission errichtet und an die Verordneten der Landschaft das Ansinnen gestellt, einen Teil der Staatsschuld zu \u00fcbernehmen. Diese bewilligten drei Millionen j\u00e4hrlich an Steuern, gew\u00e4hrten rasch aufeinander (1728, 1734 und 1735) drei au\u00dferordentliche Landanlehen und erhoben von den Kapitalien der Kl\u00f6ster und milden Stiftungen die Summe von 535.000 Gulden. Zugleich bewilligte der Papst f\u00fcr diesen Zweck den zehnten Teil aller geistlichen Eink\u00fcnfte. Leider dauerte das eingef\u00fchrte Sparsystem nur bis zum Jahre 1729, wo Kurf\u00fcrst Karl Albrecht, von Natur zu Pracht und Freigebigkeit geneigt, den Glanz seines Hofes zu verj\u00fcngen begann.<\/p>\n\n\n\n<p>So stiftete er, von einer Blatternkrankheit gl\u00fccklich genesen, am 24. April 1729 den Hausorden vom hl. Georg f\u00fcr katholische Adelige, deren Abkunft von sechzehn v\u00e4terlichen und ebenso vielen m\u00fctterlichen Ahnen vom Adel erwiesen ist. Bald darauf stellte er den s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen Fl\u00fcgel der Residenz, die am 14. und 15. Dezember 1729 niedergebrannt waren, mit gro\u00dfem Aufwand wieder her und f\u00fchrte an der \u00f6stlichen Seite des Residenzbaues mit gro\u00dfen Kosten ein Hoftheater auf, worin franz\u00f6sische Schauspiele gegeben wurden *). Besonders gro\u00dfe Summen kosteten diesem F\u00fcrsten seine Schl\u00f6sser Nymphenburg und Starnberg, desgleichen auch die Jagd, die er und seine Gemahlin leidenschaftlich liebten. Da bei solchen Ausgaben die kaum beseitigte Geldnot bald wiederkehrte, griff man zu Mitteln, von welchen einige bis dahin in Bayern noch gar nicht zur Anwendung gekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jahr 1734 brachte die Verordnung einer Geldabgabe statt der Jagdfrohnden und das Jahr 1735 bescherte den Untertanen eine Hofanlage statt des Vorspanns f\u00fcr das inl\u00e4ndische Milit\u00e4r, eine neue Tax- und Sportelordnung und das verderbliche Lottospiel **). Diesen dr\u00fcckenden Abgaben an Geld f\u00fcgte Karl Albrecht 1738 noch eine Blutsteuer bei, indem er in dem Kriege \u00d6sterreichs mit den T\u00fcrken (1736-1739) 8.000 Mann Bayern f\u00fcr jeden Mann 36 Gulden an \u00d6sterreich als Hilfstruppen \u00fcberlie\u00df, von denen die meisten durch die Ungeschicklichkeit des \u00f6sterreichischen Generals Seckendorf und durch Seuchen in den Spit\u00e4lern ihr Leben verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>*) In diesem Theater entstand 1750 ein Brand, durch welchen au\u00dfer dem Theater die Residenz fast bis auf den von Herzog Max I. erbauten westlichen Trakt einge\u00e4schert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>**) Das Lottospiel, dessen Geburtsst\u00e4tte Italien ist, wurde vorerst in M\u00fcnchen mit neun j\u00e4hrlichen Ziehungen eingef\u00fchrt und 1761 als genuesisches Lotto durch den die Kollekten in Generalpacht nehmenden Italiener Joseph de Santo Vito auf ganz Bayern und die Oberpfalz ausgedehnt. Obwohl vom Fortbestand dieses f\u00fcr die Sittlichkeit h\u00f6chst nachteiligen Spieles im Jahre 1766 von der Akademie der Wissenschaft einstimmig abgeraten wurde, lie\u00df man es doch bis zum Jahre 1861 fortbestehen. (Am 28. Dezember 1861 war die letzte bayerische Lotterieziehung in N\u00fcrnberg.)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Friede, der in Deutschland seit Beendigung des spanischen Successions-Krieges herrschte, ward neuerdings ersch\u00fcttert, als Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 die Augen schlo\u00df, ohne m\u00e4nnliche Nachkommen zu hinterlassen. Die von ihm (19. April 1713) errichtete pragmatische Sanktion, welche unter anderem die wohlberechnete Bestimmung enthielt, \u201eda\u00df in Ermanglung m\u00e4nnlicher Nachkommen seine Tochter Maria Theresia die gesamten \u00f6sterreichischen Staaten ungeteilt erben solle,\u201c, hatten mit Ausnahme von Bayern und Sachsen alle an dieser Sache irgendwie beteiligten M\u00e4chte von Europa garantiert. Als nun Karl VI. starb und seine Tochter Maria Theresia dem Inhalte der pragmatischen Sanktion zufolge die Regierung in \u00d6sterreich, Ungarn und B\u00f6hmen antrat, erhob der Kurf\u00fcrst Karl Albrecht von Bayern und etwas sp\u00e4ter auch der Kurf\u00fcrst August II. von Sachsen (als K\u00f6nig Polens August III.) Anspr\u00fcche auf die \u00f6sterreichische Monarchie.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Letzteren Anspruch gr\u00fcndete sich einzig darauf, da\u00df er Maria Josepha, des verstorbenen Kaisers Joseph I. \u00e4ltere Tochter, zur Gemahlin hatte. Von Seite Bayerns wurde geltend gemacht, da\u00df Karl Albrecht ebenfalls mit einer Prinzessin des \u00f6sterreichischen Kaiserhauses, mit Maria Amalia, der j\u00fcngeren Tochter des verstorbenen Kaisers Joseph I., verm\u00e4hlt sei, da\u00df seit den Zeiten des Kaisers Ferdinand II. zwischen dem Hause Wittelsbach in Bayern und dem habsburgischen Hause in \u00d6sterreich mehrfache eheliche Verbindungen geschlossen worden, das gr\u00f6\u00dfte Gewicht wurde aber darauf gelegt, da\u00df Karl Albrecht im f\u00fcnften Grade von Anna, einer Tochter des Kaisers Ferdinand I., abstamme, welcher in seinem an Bayern abschriftlich hinausgegebenen Testamente ausdr\u00fccklich verordnete, da\u00df nach Abgang der m\u00e4nnlichen Erben seiner drei S\u00f6hne seine an Herzog Albrecht V. von Bayern verm\u00e4hlte Tochter Anna und ihre Erben seine Hinterlassenschaft erhalten sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zuletzt genannte Anspruch, der sich auf das Testament Ferdinands I. st\u00fctzte, wurde schon dadurch in seinem Werte ersch\u00fcttert, da\u00df in der Urschrift, welche im Wiener Archiv aufbewahrt und nach dem Tode Karls VI. dem bayerischen Gesandten De la Perouse in Wien unbedenklich zur Einsicht vorgelegt wurde, nicht vom Aussterben der \u201em\u00e4nnlichen\u201d, sondern der \u201eehelichen\u201c Leibeserben die Rede war *) und verlor vollends alle Bedeutung durch den urkundlichen Verzicht auf die \u00f6sterreichischen Lande, den Karl Albrecht vor seiner Verm\u00e4hlung mit der \u00f6sterreichischen Prinzessin Maria Amalia ausgestellt hatte. Gleichwohl erhob Karl Albrecht Anspr\u00fcche und gedachte, dieselben n\u00f6tigenfalls mit Waffengewalt zur Geltung zu bringen.In dieser Gesinnung von dem auf \u00d6sterreich eifers\u00fcchtigen Hofe Frankreichs best\u00e4rkt, schlo\u00df Karl Albrecht zu Nymphenburg in Gegenwart des franz\u00f6sischen Marshalls Belle Isle einen doppelten Vertrag (einen vorl\u00e4ufigen vom 18. Mai und einen definitiven vom 20. Mai 1741, welch\u2019 Letzterer unterm 3. und 19. Juni ratifiziert wurde), worin Frankreich die erforderliche Unterst\u00fctzung an Geld und Truppen versprach. Diesem Vertrage schlo\u00dfen sich noch vor Ablauf des Jahres 1741 Spanien, der Kurf\u00fcrst Clemens August von K\u00f6ln, ein Bruder Karl Albrechts, so wie Karl Philipp Kurf\u00fcrst von der Pfalz Neapel und der K\u00f6nig Friedrich II. von Preu\u00dfen an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die inzwischen ausger\u00fcsteten Truppen Bayerns r\u00fcckten (am 31. Juli 1741) gegen \u00d6sterreichs Grenzen, nahmen Passau mit List, besetzten die Veste Oberhaus und drangen, nachdem sie sich bei Sch\u00e4rding mit 25.000 Franzosen unter Belle Isle vereinigten, unter Karl Albrechts pers\u00f6nlicher F\u00fchrung, 40.000 Mann stark, ohne Schwertstreich bis Linz vor, wo die \u00f6sterreichischen St\u00e4nde dem bayerischen Kurf\u00fcrsten (am 2. Oktober 1741) huldigten. Statt nun auf Wien loszugehen, wendete sich der schlecht beratene Karl Albrecht (am 24. Oktober) gegen B\u00f6hmen. Das entschied sein und seines Landes Ungl\u00fcck. Anf\u00e4nglich ging zwar alles nach Wunsch: Der Kurf\u00fcrst nahm (am 26. November 1741) Prag mit Sturm ein, lie\u00df sich (am 19. Dezember 1741) als K\u00f6nig von B\u00f6hmen huldigen und ward von den zu Frankfurt versammelten Kurf\u00fcrsten (am 24. Januar 1742) als Karl VII. zum Kaiser (1742\u20141745) erhoben **). Aber w\u00e4hrend in M\u00fcnchen die (am 12. Februar 1742 zu Mainz vollzogene) Kr\u00f6nung Karls VII. festlich begangen wurde, kamen Eilboten und meldeten das unaufhaltsame Vordringen \u00f6sterreichischer Truppen in der Richtung nach M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die in Wien noch vorhandene Urkunde keine Spur einer Radierung zeigt, so liegt die Vermutung nahe, da\u00df selbe urspr\u00fcnglich mit Absicht falsch geschrieben war und von dem nichts ahnenden Kaiser Ferdinand I. ohne vorausgegangene Pr\u00fcfung unterzeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>**) Ludwig XV. von Frankreich, sein G\u00f6nner und Protektor, hatte ihn kurz vorher mit offener Verh\u00f6hnung der deutschen Nation zum \u201eFranz\u00f6sischen Generallieutenant\u201c ernannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria Theresia von \u00d6sterreich, seit 12. Februar 1736 mit Herzog Franz I. von Lothringen (seit 1737 Gro\u00dfherzog von Toskana) verm\u00e4hlt hatte bei ihrem pers\u00f6nlichen Erscheinen auf einem Reichstage zu Pre\u00dfburg (11. September 1741, wo sie ihren S\u00e4ugling, den nachmaligen Kaiser Joseph II., auf dem Arme haltend, an die ungarischen Magnaten eine lateinische Rede hielt, welche diese mit den Worten: \u201eMoriamur pro rege nostro Maria Theresia&#8220; erwiderten,) die Ungarn so begeistert, da\u00df sie sogleich zwei Heere aufstellten. Das eine dieser Heere \u00fcberschritt unter F\u00fchrung des Feldmarschalls Graf Khevenh\u00fcller am 31. Dezember 1741 die Ens, das andere dem General B\u00e4rnklau (Perekl\u00f6, einem Ungarn) unterstellt nahm (am 7. Januar 1742) Sch\u00e4rding weg. Zwar suchte der bayerische Feldmarschall Graf T\u00f6rring-Jettenbach bei Sch\u00e4rding mit aller Tapferkeit zu widerstehen, allein er unterlag dem vielfach \u00fcberlegenen Feinde (17. Januar 1742). Am 23. Januar kapitulierte der franz\u00f6sische General Segur und der bayerische General Minucci in Linz, und am 25. Januar 1742 \u00fcbergab der Graf Platin, feig oder verr\u00e4therisch, Passau samt dem Oberhaus. Nun ward Bayern von den nie gesehenen Horden der Panduren, Kroaten, Tollpatschen (Dalmatier), Hei-ducken und andern wilden Haufen \u00fcberschwemmt und geriet in dieselbe Bedr\u00e4ngni\u00df, wie zur Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges und unter Max II. Emanuel. Anfangs M\u00e4rz war Bayern bis auf Ingolstadt, Straubing *) und Landshut in feindlichen H\u00e4nden. In M\u00fcnchen waren die \u00d6sterreicher schon am 13. Februar 1742 einger\u00fcckt.<br><br>*) Die Straubinger schlugen vier St\u00fcrme der \u00f6sterreichischen Truppen unter dem General Grafen von Wurmbrand ab. Noch lebt in Straubing das Andenken dieser M\u00e4nner fort, welchen haupts\u00e4chlich die Rettung Straubings zu verdanken war, des Kanoniers Einsiedler, des Gerichts-dieners Gschray, welcher an der Spitze von Freiwilligen der Schrecken der Panduren und Kroaten war, und des Studierenden Niklas Lukner aus Cham, der nachmals in franz\u00f6sische Dienste trat und im siebenj\u00e4hrigen und im Revolutionskriege durch seine Tapferkeit sich zur h\u00f6chsten milit\u00e4rischen W\u00fcrde emporgeschwungen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ungl\u00fccke f\u00fcr Karl Albrecht schlo\u00df Maria Theresia nach der Niederlage des \u00f6sterreichischen Heeres bei Czaslau (17. Mai 1742) mit dem Sieger Friedrich II. von Preu\u00dfen (am 11. Juni 1742) Frieden, worin sie Schlesien und die Grafschaft Glatz an Preu\u00dfen \u00fcberlie\u00df. Nun konnte sie ihre ganze Macht gegen die Franzosen und Bayern aufbieten. Erstere bekamen durch den General d\u2019Harcourt, der das Kommando bald an den Grafen von Sachsen (Comte de Saxe) abgab, 26.000 Mann, und im September 1742 durch den General Maillebois 40.000 Mann Ver-st\u00e4rkung, nahmen aber gleichwohl, durch den franz\u00f6sischen Premierminister Cardinal Fleury gehindert, die von Karl von Lothringen *) bei Prag angebotene Schlacht nicht an. General Maillebois zog sich nach dem festen St\u00e4dtchen Eger an der westlichen Grenze B\u00f6hmens zur\u00fcck, wohin ihm etwas sp\u00e4ter (Dezember 1742) der Marschall Belle Isle folgte. Dadurch ward am Ende des Monats Dezember 1742 B\u00f6hmen von feindlichen Truppen nahezu frei, und Maria Theresia lie\u00df sich am 12. Mai 1743 zu Prag als K\u00f6nigin von B\u00f6hmen kr\u00f6nen.<\/p>\n\n\n\n<p>*) Des Gro\u00dfherzogs Franz I. von Toskana Bruder (geb. 12. Dezember 1712), der sich am 7. Januar 1744 mit Maria Anna, Kaiser Karls VI. zweiter Tochter, verm\u00e4hlte.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Inzwischen (August 1742) hatte Kaiser Karl VII. den Oberbefehl seiner Truppen dem General Seckendorf \u00fcbertragen, demselben, welcher in dem j\u00fcngsten T\u00fcrkenkriege (1736-1739) so entsetzliche Fehler begangen hatte, da\u00df er vom Kaiser Karl VI. abgesetzt worden war. Dieser er\u00f6ffnete von Abensberg und Kelheim aus (am 13. September 1742) seine Kriegsoperationen, nahm (7. Oktober 1742) M\u00fcnchen und (18. Oktober 1742) Burghausen, entsetzte Braunau und warf die Oesterreicher \u00fcber den Inn zur\u00fcck. So konnte der Kaiser am Ende des Jahres 1742 nach M\u00fcnchen zur\u00fcckkehren, und Seckendorf nahm den Winter hindurch sein Hauptquartier in Landshut. Die Franzosen unter Maillebois, Broglio, Belle Isle und dem Grafen von Sachsen, die sich aus B\u00f6hmen nach Bayern zur\u00fcckgezogen hatten, nahmen im folgenden Jahre 1743, wo Herzog Karl von Lothringen und Khevenh\u00fcller mit 70.000 \u2013 80.000 Mann \u00f6sterreichischer Truppen den Feldzug er\u00f6ffneten, keine so enge und eintr\u00e4chtig gehaltenen Aufstellungen und Bewegungen vor, wie sie als Vorbereitung auf einen bevorstehenden Hauptschlag angezeigt waren. Sobald Herzog Karl von Lothringen die\u00df bemerkte, r\u00fcckte er rasch nach Bayern vor, schlug (am 9. Mai 1743) eine Abtheilung des bayerischen Heeres bei Simpach, jagte den Kaiser (8. Juni) aus seinem Lande nach Frankfurt und zwang dessen Feldmarschall Seckendorf am 27. Juni 1743 im Kloster Nieder- sch\u00f6nfeld zu einem f\u00f6rmlichen R\u00e4umungs- oder Evacuations-Vertrag, kraft dessen das bayerische Land den Oesterreichern \u00fcberlassen ward und des Kaisers Kriegsvolk auf neutralen Reichsboden sich zur\u00fcckzog, um allda in Verachtung als m\u00fc\u00dfiger Zuschauer des Krieges zu weilen. In M\u00fcnchen wurde eine \u00f6sterreichische Landesadministration niedergesetzt, und Maria Theresia lie\u00df sich im September 1743 von den bayerischen und oberpf\u00e4lzischen St\u00e4nden huldigen. Ingolstadt kapitulierte hierauf (1. Oktober 1743), da jede Aussicht auf Entsatz verschwunden war.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser ungl\u00fccklichen Lage wendete sich Karl VII. an den K\u00f6nig Friedrich II. von Preu\u00dfen. Dieser, wohl wissend, da\u00df ihm Maria Theresia das nicht lassen werde, was sie ihm in der Bedr\u00e4ngni\u00df durch den Frieden zu Breslau abgetreten, und da\u00df er von ihr nach Beendigung des Krieges alles zu f\u00fcrchten habe, lie\u00df sich gern zu einem B\u00fcndnisse mit Karl VII. herbei, und es kam am 22. Mai 1744 zwischen dem Kaiser, Preu\u00dfen, Hessen-Kassel und andern St\u00e4nden der Frankfurter Verein zu Stande, worin man versprach, die Neutralit\u00e4t des Reiches und das kaiserliche Ansehen zu sch\u00fctzen und dem Kaiser zum Besitze seiner Erblande zu verhelfen. Auch Frankreich trat aus seiner Unth\u00e4tigkeit heraus und erneute das B\u00fcndnis mit Karl VII., ebenso auch Spanien. Frankreich fing an, den Krieg in seinem Namen zu f\u00fchren, war gl\u00fccklich am Rhein und spielte den Krieg in die Niederlande. Gleichzeitig fiel Friedrich II. in B\u00f6hmen ein und eroberte es. Die Oesterreicher mu\u00dften nun vom Rhein weg nach B\u00f6hmen eilen. Bei dieser Wendung der Dinge erkl\u00e4rte der General Seckendorf den Vertrag von Niedersch\u00f6nfeld wegen unterbliebener Ratification f\u00fcr ung\u00fcltig und gewann mit Hilfe pf\u00e4lzischer und hessischer Truppen Bayern wieder. Zwar konnte sich Friedrich II. in B\u00f6hmen nicht behaupten, aber daf\u00fcr eroberten die Franzosen Breisgau und alle vorder\u00f6sterreichischen Lande. Ganz Bayern bis auf Ingolstadt, Braunau, Sch\u00e4rding und Passau wurde den Oesterreichern entrissen. Der Kaiser kehrte am 23. Oktober 1744 nach M\u00fcnchen zur\u00fcck, um sich im Kreise der Seinigen des wiedergekehrten Gl\u00fcckes zu freuen. Allein das Gl\u00fcck hatte nur kurzen Bestand, da die Oesterreicher noch vor Ende des Jahres 1744 neuerdings in Bayern einfielen und festen Fu\u00df gewannen. General Seckendorf, allseitig angefeindet, legte den Oberbefehl nieder, und ein zwischen den Bayern und Franzosen ausgebrochener Zwist erleichterte den Oesterreichern das siegreiche Vorgehen. Fernerer Widerw\u00e4rtigkeiten und der Nothwendigkeit, neuerdings zu fliehen, enthob den Kaiser der Tod, der wider Erwarten fr\u00fch, am 20. Januar 1745, in Folge zur\u00fcckgetretenen Podagra\u2019s eintrat. Er ward mit dem Pompe, der ihm als Kaiser geb\u00fchrte, beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter ihm hat Bayern einen nicht unbedeutenden Zuwachs erhalten. Im Jahre 1734 starb der letzte Graf von Maxelrain, Besitzer der bedeutenden Reichsgrafschaft Hohenwaldeck mit den Hauptorten Miesbach und Schliersee. Gem\u00e4\u00df einem Exspectanz-Vertrag von 1559 zog Bayern diese Grafschaft ein. Zwei Jahre sp\u00e4ter (1736) starb Max Emanuel Graf von Wartenberg, der letzte Spr\u00f6\u00dfling der Ferdinandischen Linie: auch seine Herrschaften fielen an die Hauptlinie, die wilhelmische, zur\u00fcck. Zu dem lang bestrittenen Besitz der in der Oberpfalz gelegenen Reichsherrschaften Sulzb\u00fcrg und Pyrbaum kam Bayern durch den Tod des letzten Grafen von Wolfstein, Christian Albrecht, im Jahre 1740 in Folge eines vom Kaiser Ferdinand I. dem Herzoge Albrecht V. Ausgestellten Exspectanz-Diploms. Mit Sulzb\u00fcrg und Pyrbaum fiel auch die Grafschaft Wolfstein (Burgruine bei Neumarkt in der Oberpfalz) an Bayern, doch mu\u00dften hierf\u00fcr 226.000 Gulden bezahlt werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"gb-button-wrapper gb-button-wrapper-2192fab7\">\n\n<a class=\"gb-button gb-button-1c74e8bd gb-button-text\" href=\"https:\/\/forum.bayern.ewigerbund.org\/viewtopic.php?t=338\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dieser Beitrag hat dir gefallen? Hier kommentieren.<\/a>\n\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Sattler, Maximilian Vincenz, 1849-1894, &#8222;Lehrbuch der bayerischen Geschichte&#8220; mit 50 Stamm- u. Regententafeln; statt e. neuen Aufl. d. Freudensprung&#8217;schen &#8222;Geschichte d. K\u00f6nigreiches Bayern&#8220;. M\u00fcnchen, 1868. J. Lindauer\u2019sche Buchhandlung (Sch\u00f6pping). Seiten 289-298.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Albrecht (1726-1745), des Kurf\u00fcrsten Max II. Emanuel, \u00e4ltester Sohn und Nachfolger, dachte beim Antritte seiner Regierung ernstlich daran, die Leiden seines Volkes zu heilen und die Schulden des Landes zu mindern. Er beschr\u00e4nkte die Zahl seiner Diener, reduzierte die Armee auf 12.000 Mann und lie\u00df in allen Teilen des Staatshaushaltes Ersparnisse eintreten. Zur Tilgung &#8230; <a title=\"1726-1745. Bayern unter Karl Albrecht.\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.ewigerbund.org\/bayern\/geschichte\/bayern-unter-karl-albrecht\/\" aria-label=\"Mehr zu 1726-1745. 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